Ma jolie – Rendez-vous mit einem Französischlehrer

Eingang der folgenden Partneranfrage:

Liebe Unbekannte,
ich würde Sie gern kennen lernen, denn ich finde Ihr Profil interessant.
Ich habe Ihnen meine Fragen mitgeschickt.
1) Kannst du dich für die französische Sprache begeistern lassen?
2) Hast du einen aufgeweckten Geist und bist wissbegierig?
3) Stehst du mit beiden Füssen auf dem Boden und bist ausgeglichen?

Da ich Sprachen schon immer sehr mochte (ja, auch französisch) und mich auch als sprachbegabt bezeichnen würde, antwortete ich auf diese doch nicht allzu kreative Anfrage. Dass er Gymnasiallehrer war, stand in seinem Profil, unschwer zu erkennen, für Französisch. Wir schrieben hin- und her, tauschten uns über unsere Jobs, die Sprachkenntnisse, Sport etc. aus. Was mir bald auffiel: Er machte schnell konkrete Anspielungen – nicht falsch verstehen, keine anzüglichen, nein – aber er schrieb einfach Dinge, die ich nicht schreiben würde, solange ich jemanden noch nie persönlich getroffen habe.

Beispiel gefällig? Auf meine Aussage, dass ich demnächst wahrscheinlich mit einer Freundin ein Wochenende in der Westschweiz verbringen würde, meinte er, wenns mit ihr nicht klappe, könne ich ja mit ihm mitkommen «;-) lach». Dann könne er mir auch seine neue Lieblingsgegend zeigen etc. Schon klar, alles immer mit blinzelnden Smileys versehen, aber trotzdem, ich fand das schon ein bisschen komisch, da ich das nie schon so früh schreiben würde, vor einem persönlichen Treffen. Mein Gefühl hat mich auf jeden Fall nicht getäuscht… Nach einem eher kurzen Mailverkehr (4 Nachrichten von ihm, 3 Antworten von mir) fragte er nach einem Treffen, ich stimmte zu. Wir tauschten Nummern aus und verabredeten uns wochentags zu einem Mittagessen in meiner Stadt, da ihm das Treffen nicht schnell genug stattfinden konnte. Am gleichen Abend hatte ich noch ein anderes Date abgemacht, verbunden mit einer längeren Autofahrt. Am Morgen dieses Tages wurde mir das Ganze aber irgendwie zu viel. Am Mittag und am Abend ein Date – ich nervte mich, dass ich das so geplant bzw. auch für den Mittag zugesagt hatte. Deshalb sagte ich ihm, ich müsse wegen eines kurzfristigen Kundentermins verschieben.

Da war mein Interesse an ihm irgendwie schon etwas abgeflaut, sonst hätte ich das nämlich nicht einfach so verschoben. Mein vorhin beschriebenes Gefühl hatte sich auch durch seine SMS bestätigt. Nachrichten wie «Bonjour ma jolie» und «I wünsch dir gaaaaaanz en guete wuchestart mini liebi! Kuss-Emoticon» können zwar schmeichelnd sein, aber mich schrecken sie eher ab, vor allem unter Anbetracht dessen, diesen Menschen noch nie persönlich getroffen zu haben. Ich werde dann immer das Gefühl nicht los, es mit einem ziemlich verzweifelt Suchenden zu tun zu haben…

Lange Rede, kurzer Sinn. Getroffen haben wir uns dann drei Tage später in seiner Stadt zum Mittagessen, ich hatte an diesem Tag sowieso frei. Ich wusste sehr schnell, dass mich dieser Mann nicht interessiert. Eigentlich schon beim Treffpunkt am Bahnhof. Später bestätigte sich das nur noch mehr. Wir haben uns zwar die ganze Zeit unterhalten und das Treffen war keine Qual, aber es passte einfach nicht. Seine Art und das anscheinend chronische Nörgeln bei Lehrern (wobei nicht so schlimm und ausgiebig wie bei dem Date mit dem Sportlehrer. Mein Gott, das hätte ich ja an einem Tag nie ausgehalten, gut habe ich verschoben). Das direkt vor mir ungeniert «mit-den-Fingern- in-den-Zähnen-Rumgrübeln» gab noch den Rest dazu… igitt.

Am Bahnhof wieder verabschiedet. Ich glaube, wir haben gesagt, wir hören uns, bin aber nicht mehr ganz sicher. Vielleicht haben wir auch nichts Konkretes gesagt. Seither nichts mehr gehört… Unverbindliches Online Dating lässt grüssen, aber für mich hat das in diesem Fall gepasst.

 

 

 

 

 

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